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Friedrich Hölderlin – zwischen Genie und Wahnsinn

Kategorie(n): 
Einblicke
Veranstalter: 
Dezernat Hochschulkommunikation der RUB
Montag, 16. März 2020, 18:00 Veranstaltung fällt aus!
Etage: 
1

Friedrich Hölderlin zählt aus heutiger Sicht sicherlich zu den spannendsten Dichtern des ausklingenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. 1770 in Lauffen am Neckar geboren, bewegte er sich früh im Umkreis von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, fand dort jedoch nie gänzlich die ersehnte Anerkennung. 1806 nach psychischem Zusammenbruch zwangseingewiesen, wurde er ein Jahr später aus dem Tübinger Universitätsklinikum als unheilbar entlassen, und verbrachte die zweite Hälfte seines Lebens als Pflegefall bei Familie Zimmer im nach ihm benannten Tübinger Turm.

Heute gilt Hölderlin als Ausnahmedichter, der mit seinen Gedichten, dem Roman „Hyperion“ sowie dem fragmentarisch gebliebenen Tragödienprojekt „Empedokles“ weder eindeutig der Klassik noch der Romantik zugeordnet werden kann. Im 19. Jahrhundert hingegen wurde er kaum rezipiert – zu eng wurden seine hermetischen Gedichte, deren Inhalt und Bedeutung sich einem unmittelbaren Verständnis entziehen, und seine innovative lyrische Sprache sowie die Kühnheit der „Sophokles-Übersetzungen“ mit seiner psychischen Erkrankung in Verbindung gebracht. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts avancierte Hölderlin, durch die emphatische Aufnahme von Stefan George, Norbert von Hellingrath oder Rainer Maria Rilke, die Hölderlin zum ‚Dichter-Seher‘ stilisierten oder ihn zum Vorbild des eigenen Schreibens machten, zu einem der größten deutschen Dichter – erst ab diesem Zeitpunkt setzt eine einzigartige, wenngleich ambivalente, Wirkungsgeschichte ein, die ihresgleichen sucht.

Ausgehend von dieser Wirkungsgeschichte fragt der Vortrag nach Ursachen für die anhaltende Faszination Hölderlins, die sich längst nicht allein auf die Literatur beschränkt, sondern sich auch in anderen Medien manifestiert, und zeigt dabei exemplarisch an den Vaterländischen Gesängen Schwierigkeiten der Rezeption auf, aber auch den Reiz und die Modernität dieser späten Gedichte.

Referentin: Nina Janz, Ruhr-Universität Bochum

öffentlich
ohne Anmeldung
Eintritt frei