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Botticelli. Venus, Frühling, Schattenwürfe

Kategorie(n): 
Einblicke
Veranstalter: 
Dezernat Hochschulkommunikation der RUB
Montag, 02. März 2020, 18:00
Etage: 
1

Mit seiner „Geburt der Venus“ hat der Maler Sandro Botticelli (1445-1510) sich in unser zeitgenössisches Bildgedächtnis eingeprägt wie kaum ein zweiter Künstler der italienischen Renaissance. Hier, ebenso wie im großformatigen Frühlingsbild „La Primavera“, scheint das Florenz der Medici seine kulturelle Blüte zu feiern und fortwährend deren Schönheit zu rühmen. Dennoch geriet der Künstler Jahrhundertelang in Vergessenheit, bis er im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Wie konnte es dazu kommen?

Botticelli hatte einen großen Gegner: Giorgio Vasari, den großen Künstlerbiographen des 16. Jahrhunderts. Um Botticelli in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, behauptete er, der Künstler sei ein asketisch lebender Fundamentalist des christlichen Glaubens. Er sei ein Anhänger des Kirchenreformators Girolamo Savonarola und damit Gegner der Medici, gegen deren Politik sich Savonarola wandte. Als Folge seines Fundamentalismus würde Botticelli seine Kunst vollständig vernachlässigen – was allerdings eine Lüge war.

Die Botticelli-Vita von Vasaris war von Beginn an so angelegt, den Maler künstlerisch und moralisch als zweifelhafte Figur zu präsentieren. Ob es vor allem daran lag, dass Botticelli anschließend so gut wie vergessen wurde, lässt sich nicht sicher sagen.

Interessant ist jedoch: Bei seiner Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert faszinierte die Menschen vor allem Botticellis angeblich starkes christliches Engagement, das ihn bis heute berühmt macht.

Es scheint verrückt: Wo Vasari versuchte, das Leben des Malers mit möglichst großen Schatten zu gestalten, gilt dieser im 19. Jahrhundert – zum Teil mit den gleichen Argumenten - als Lichtgestalt.

Referent: Prof. Dr. Ulrich Rehm, Ruhr-Universität Bochum

öffentlich
ohne Anmeldung
Eintritt frei