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Wie Wilhelm Grimm den deutschen Märchenwald aufforstet

Kategorie(n): 
Einblicke
Veranstalter: 
Dezernat Hochschulkommunikation der RUB
Montag, 18. November 2019, 18:00 bis Dienstag, 19. November 2019, 17:59
Etage: 
1

1920 wurde in der elsässischen Abtei Ölenberg ein Manuskript entdeckt, das die Grimmschen Märchen als Fake entlarvt.

Die sogenannte Ölenberger Handschrift, die Ur-Aufzeichnung der Märchen der Grimms, zeigt, dass die Brüder keineswegs dem Volksmund abgelauschte Texte treu dem Druck überliefert haben. Gerade Wilhelm Grimm hat immer wieder die gesammelten Märchen überarbeitet, was etwa die verschiedenen Fassungen von Hänsel und Gretel zeigen.

Von der Ölenberger Handschrift über die verschiedenen Auflagen der Kinder- und Hausmärchen entwickelt sich der Text zu einem merkwürdigen Elaborat: In der Tradition der Aufklärung pocht Wilhelm Grimm pedantisch auf Wahrscheinlichkeit und Notwendigkeit des Erzählten; mit schauerromantischen Effekten macht er sein schlichtes Material für die Leser interessanter.

Durch die von ihm angewandten erzählerischen Kniffe wirken die Geschichten erstaunlich ehrlich. Der Referent zeigt in seinem Vortrag, wie man diese stilistischen Manipulationen durchschauen kann. Ob die Vorstellung der Besucher vom urtümlichen Märchenwald nach diesem Abend noch dieselbe ist, ist zu bezweifeln.

Referent: Dr. Andreas Beck, Ruhr-Universität Bochum

öffentlich
ohne Anmeldung
Eintritt frei