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Der Mensch, ein Trampeltier. Warum moralische Verantwortung mehr bedeutet als moralische Schuld

Veranstaltungsreihe: 
Veranstalter: 
Ruhr-Universität Bochum
Mittwoch, 30. September 2015, 18:00

In den letzten Jahrzehnten wird immer wieder geklagt, dass die Bereitschaft schwinde, moralische Verantwortung zu übernehmen, was oft mit der Bereitschaft gleichgesetzt wird, sich schuldig zu fühlen. Im Vortrag wird die Neigung zur Gleichsetzung von moralischer Verantwortung und Schuld(bewusstsein) in Frage gestellt. Es wird gezeigt, dass die Assoziation von moralischer Verantwortung und Schuld christlichen Überlegungen entspringt, die das Verhältnis des Menschen zu Gott und nicht zu seinen Mitmenschen betreffen, und dass deswegen die Gleichsetzung von moralischer Verantwortung mit Schuld im Sozialleben disfunktional sein kann. Denn demnach liegt nur dann ein Grund zur Übernahme von Verantwortung für Verletzungen oder Missachtungen von Personen vor, wenn ein Schuldvorwurf berechtigt scheint. Moralische Verantwortung zu übernehmen, ist jedoch oft gerade auch dann wichtig, wenn das eigene Handeln nicht vorwerfbar ist, aber andere in Mitleidenschaft zieht: im Sinne einer moralischen Haftung, nicht Schuld.

Referentin: Prof. Dr. Maria-Sibylla Lotter, Lehreinheit Philosophie, Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft

Audioaufzeichnung des Vortrags

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